Ambulanter Hospizdienst feiert mit Festgottesdienst und
Pantomime-Vorführung in der St.-Willehadi-Kirche
 

Den Tod lächelnd ernst nehmen

 

„Der Tod als Partner unseres Lebens“: Christoph Gilsbach zeigt mit seiner Pantomime, wie man mit dem Tod lächelnd umgehen kann. POT Ÿ

Am vergangenen Wochenende feierte der Ambulante Hospizdienst Osterholz in der St.-Willehadi-Kirche mit einem Festgottesdienst und einer abendlichen Theaterveranstaltung seinen zehnte Geburtstag. Damit wies die Diakonie-Einrichtung zugleich auf den Welthospiztag am 14. Oktober hin. In Osterholz-Scharmbeck sind mittlerweile 55 ehrenamtliche Mitarbeiter im Hospizdienst tätig. Sie arbeiten als ambulante Sterbe- und Trauerbegleiter und im Trauercafé. Im Trauerzentrum „Anderland“ betreuen sie 22 Kinder und Jugendliche in zwei Gruppen.

Im Rahmen des Festgottesdienstes am Sonntagvormittag forderte Pastor Gerd Rühlemann dazu auf, „Trauer und Sterben aus der Tabuzone“ zu holen und sich der Todesangst und dem verdrängten Leid zu stellen. Brigitte Escherhausen von der Diakoniestiftung betonte, es sei „sehr wichtig, dass die Verzweifelten im Hospizdienst eine Adresse haben“. Und die Koordinatorin des Hospizdienstes bekannte: „Wir geben den Sterbenden Hoffnung, und sie geben uns welche zurück.“

„Ich will den meist verdrängten Tod zurück in unseren Alltag holen“, sagt der Pantomime Christoph Gilsbach. Er trat am Sonntagabend in der St. Willehadi-Kirche mit einem szenischen Spiel unter dem Titel „Das Leben – eine lebendige Begegnung mit dem Tod“ auf. Gilsbach, Absolvent der Essener Folkwang-Schule, arbeitet seit 1998 als „Klinik-Clown“ in Münster. Dort hat er Heiterkeit und befreites Lachen ebenso erlebt wie Krankheit, Leid und Tod. Von daher weiß er: „Wir müssen den Tod als Partner, als wichtiges Thema unseres Lebens begreifen.“

Die Szenenfolge leiteten Jytte Koppen und Utz Weißenfels mit einem mit leidenschaftlichem Temperament und lasziven Bewegungen getanzten Tango ein. Dies sei angemessen, meinte Pastor Gerd Rühlemann in seiner Einführung, denn der Tango „riecht nach Leben und schmeckt nach Tod.“ Er erinnere an den „Totentanz“, eine Bildvorstellung aus der Pest-Zeit des 14./15. Jahrhunderts. Darin habe der Tod alle Menschen unterschiedslos mitgerissen.

Und dann trat Christoph Gilsbach auf, eine weiß geschminkte und gekleidete Gestalt, ein Mensch schlechthin, der das Leben in neun Szenen darstellt. Und das alles unbeeindruckt von einer leeren Hülle, die leblos auf einem Sessel im Altarraum hockt – dem Tod. Die einzelnen Szenen überbrückte Jytte Koppen durch Klavierfantasien. Zunächst springt der Pantomime noch fröhlich und unbefangen als „Kind“ über die Bühne. Später dreht sich alles um den „schönen Schein“. In einer aufwendigen Prozedur pflegt er den persönlichen Fassadenputz am Morgen, indem er das ganze Arsenal an Schönheitsmitteln einsetzt – vom Zifferblatt bis zu den Zehenspitzen. Glucksendes Lachen kollert durch die Zuschauerreihen. Man erkennt sich wieder. Der Pantomime paradiert als männlicher Krieger und robbt durch den Morast des Schlachtfeldes – als „Held“. In Mimik und Gestik des Künstlers spiegeln sich Gefühle, Wertungen und Planungen wider. Detailversessen achtet er auf jede Kleinigkeit. So wird jede Szene verständlich und für den Zuschauer nachvollziehbar.

Getrieben von den Zwängen des Systems und in der Gier nach dem persönlichen „Erfolg“ neigt der Mensch dazu, Mitmenschen auszubeuten und zu unterdrücken. Doch die Tücken des Lebens werfen ihm Knüppel zwischen die Beine, Misserfolge untergraben das Selbstbewusstsein und machen ihn „unzufrieden“. Er meckert und nörgelt. Enttäuscht klammert sich der Mensch – wie beim Wäscheaufhängen – an das Althergebrachte, für ihn Überschaubare und Sichere. Mit zunehmendem Alter wird er immer stärker auf sich selbst geworfen. Er empfindet den Tod eines geliebten Menschen als persönlichen Verlust und gerät in pure Verzweiflung. Sie lässt ihn mit Gott hadern, der dem Lebenden den Tod antut. Erst wenn er lernt „loszulassen“, kann er befreit aufatmen. Als „Narr“ mit roter Nase treibt Gilbach Schabernack mit seinem Publikum. Durch Unsinn offenbart er die fatale Sinnlosigkeit unserer Zivilisation und entlarvt damit ihre Verlogenheit. Am Ende steht die Frage: „Was ist das Leben?“ Die Antwort: „Vergänglichkeit!“ Und damit arrangiert sich der Mensch mit dem Tod.

Es ist die stille Dramatik, die im Spiel des Pantomimen gefangen nimmt. Immer wieder schafft er durch Zwinkern und Andeutungen eine Beziehung zwischen seiner Darstellung und den Zuschauern. Am Ende tritt der Mensch ab, und das Tango-Paar entschwebt durch den Mittelgang der Kirche. Der Lebensreigen ist letztlich immer ein Tanz mit dem Tod. Lang anhaltender Beifall von einem beeindruckten Publikum.

 

(c) Osterholzer-Kreisblatt  20.09.2014 - Peter Otto

 



Adresse:

Findorffstrasse 21
27711 Osterholz-Scharmbeck
Tel.: 04791-980664

Kontakt:

anderland.ohz@evlka.de
 



Wir sind bei Facebook

 



Spendenkonto :


Sparkasse Rotenburg Osterholz

BIC:       BRLADE21ROB
IBAN:    DE33241512350000231845 

 

VB Osterholz-Scharmbeck
BIC:       GENODEF1OHZ
IBAN:    DE55291623940004632900

 

Inhaber: Kirchenamt in Verden
Verwendungszweck Anderland 

 

 



Wir kooperieren mit
 


in Bremen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen